Er wird als Avatar und Gott verehrt...
Er ist von Geburt an mit allen göttlichen Kräften ausgestattet...
Er ist unglaublich präsent, herzlich und fröhlich...
Er lehrt Toleranz, menschliche Werte, Gleichmut, Liebe und Brüderlichkeit...
Er leistet Hilfe und Dienst am Menschen...


Bhajansingen

Christian R. beim AarathiDie Bhajans sind in folgende Kapitel eingeordnet:
Ganesha-Bhajan, Guru-Bhajan, Maa/Devi-Bhajan, Shiva-Bhajan, Krishna-, Rama-, Sai- und Sarva Dharma-Bhajan.

Ganesha, der Gott mit dem Elefantenkopf und dem dicken Bauch, wird nicht nur in Indien, sondern auch in vielen anderen Ländern Asiens verehrt. Er nimmt eine Vorrangstellung unter den Gottheiten ein. Man wendet sich an Ganesha vor weltlichen und spirituellen Unternehmungen und bittet Ihn um Seinen Segen, denn Ganesha gilt als der „Beseitigter der Hindernisse“. Er beseitigt die Hindernisse, aber schafft sie auch, wenn es für die Entwicklung notwendig ist. Wie der Elefant der Bereiter des Weges durch den undurchdringlichen Dschungel ist, ist Ganesha der Pfadfinder, der Bereiter des Weges zu Gott. Und wie bewirkt Er das? Indem Er uns Buddhi (Intelligenz, Unterscheidungsvermögen, Intuition) schenkt.

Der Elefant ist auch ein Symbol für Reichtum, Kraft, Klugheit, Geschicklichkeit und Treue- Eigenschaften, die uns zum Göttlichen führen.

Guru bedeutet in Sanskrit: groß, stark, wichtig, ehrwürdige Person, Vater, Mutter, Lehrer.
Meist wird eine göttliche, weise Person, die Andere auf dem Weg zu Gott begleitet und unterstützt, mit Guru angesprochen.
Devi, Maa oder auch Shakti genannt ist die göttliche Energie, göttliche Mutter oder große Göttin.

Shiva, neben Brahma und Vishnu einer der hinduistischen Hauptgottheiten, hat sehr viele Namen. So zahlreich wie Seine Namen, so verschiedenartig und schillernd sind Seine Aspekte. Er ist der Zerstörer des Kreislaufes von Geburt und Tod und von Furcht. Er zerstört Anhaftung, Bindungen, falsche Vorstellungen, schlechte Eigenschaften. Wenn wir davon frei sind, erfahren wir unsere eigene Göttlichkeit, dass wir ebenso Shiva sind: Güte, Freude, Glück und Segen.

Krishna ist eine Inkarnation des Gottes Vishnu und bedeutet wörtlich „dunkel, blau, schwarz“ und weist auf die Grenzenlosigkeit Gottes hin, den allumfassenden Gott, das unveränderliche, ewige Absolute. Krishna ist jemand, der das Feld des Herzens pflügt und kultiviert und guten Samen in der Form guter Gedanken sät. Durch den Avatar (Inkarnation) Krishna zeigte Gott seine einmalige Anziehungskraft und Liebe zu den Menschen.

Rama ist ebenfalls eine Inkarnation des Gottes Vishnu. Rama hat große Kraft und Macht. Er ist der, der erfreut, der beglückt.

Sai bezeichnet die göttliche Mutter oder göttliche Energie. Das Wort Sai setzt sich zusammen aus „Sa = ER Gott“ und „Ai = Mutter“.

Sarva Dharma. Mit Dharma ist in diesem Zusammenhang Religion gemeint. Sarva Dharma bedeutet „Alle Religionen“. In den Bhajans werden auch Bezüge zu anderen Religionen gesetzt durch Worte wie „Allah“, „Esu“ (Jesus), „Zorastra“ (Zarathustra). Es soll zum Ausdruck gebracht werden, dass alle Religionen eins sind.

Ein geschmücker Tisch für das Bhajansingen...Bhajans enthalten viele Sanskritworte – meistens Gottesnamen und Beschreibungen Gottes -, aber auch Worte aus den heutigen indischen Landessprachen Hindi oder Telugu.

Sanskrit ist die indische Ursprache, die vor ca. 4.000 Jahren von Ureinwohnern Indiens, den Ariern, entwickelt wurde. Sie wurde als „Sprache der Götter“ betrachtet und ist bis heute eine heilige Sprache.

Musiker spielen zu den BhajansIn Indien werden Musik, Malerei und Bühnendichtungen als göttliche Künste angesehen.

Wenn man das Wort „Bharata“ (Name für Indien) in die drei Silben „Bha-Ra-Ta“ zerlegt und diese erweitert, erhält man die drei Komponenten, die das Wesen der Musik ausmachen, nämlich: Bhava (Gefühl), Raga (Melodie) und Tala (Rhythmus).

Das Fundament der Hindu-Musik bilden die Ragas oder feststehenden melodischen Tonleitern. Der Musiker oder Sänger hat innerhalb der festgelegten Melodien große Freiheit des Ausdrucks und der Improvisation. Er spielt oder singt nicht nach Noten, sondern begleitet die Grundstruktur des Raga jedes Mal aufs Neue oder auf seine individuelle Art. So gibt es für die Bhajans normalerweise auch keine Noten. Man erlernt die Musik hauptsächlich über das Hören.

Der indische Lehrer singt oder spielt dem Schüler vor, und der versucht, so gut wie er es kann, nachzuahmen. Lediglich zum Lernen oder zur späteren Erinnerung werden Kompositionen oder Lieder aufgeschrieben. Sie werden aber anders als in der westlichen Welt nicht zum Üben oder zum Musikvortrag genutzt. Am besten lernen wir also die Bhajans, wenn wir dem Vorsänger aufmerksam zuhören und dann aus vollem Herzen nachsingen.

Dekortion für eine PujaJeder Bhajan kündet von einem anderen Aspekt der Göttlichkeit, von der rhythmischen Kraft und Energie der Shiva-Bhajans bis zur lyrischen Weichheit eines Devi-Bhajans, von der Liebenswürdigkeit Ramas bis zur Verzauberung durch Krishna.

Bhajans sind ein Weg, die Anziehungskraft des Göttlichen in uns zu erwecken und zu erfahren.

Das OM-ZeichenNach hinduistischer Vorstellung ist die gesamte Schöpfung aus dem Urton „Om“ entstanden. Aus diesem kosmischen Urklang sind dann alle anderen Töne und letztendlich die Schöpfung entstanden. Ähnliche Vorstellungen gibt es auch im Christentum zum Beispiel im „Johannes Evangelium“. Es beginnt mit den Worten: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“

Klang ist das Grundprinzip des Universums. Im Klang sind drei Aspekte enthalten:
Klangerzeugung, Klangentwicklung und Klangauflösung. Der Ton ist ein Symbol für den ewigen Kreislauf des Lebens von Schöpfung, Erhaltung und Zerstörung – Geburt, Wachsen und Sterben. Seit Beginn der indischen Kultur wurde der Laut oder die Schwingung als der von der Göttlichkeit durchdrungene Träger der Schöpfung verstanden und verehrt.

Das Singen wie das Anhören von Bhajans sind daher ein wirkungsvolles Mittel, um das „Durchtränktsein der Schöpfung“ mit dem göttlichen Bewusstsein zu erfahren. Im Hinduismus herrscht die Vorstellung, dass man durch andächtiges Singen mit Gott verschmelzen kann. Schwingungen, die durch hingebungsvolles Singen erzeugt werden, führen zum Einklang mit der Kosmischen Schwingung.